Vierundzwanzig Personen legten ein Armband an, tranken im Labor je drei Bier und pusteten immer wieder in ein Atemalkoholgerät. Währenddessen zeichnete das Band den Alkohol auf, der über ihre Haut austrat. Die Frage war einfach: Stimmt das Handgelenk mit dem Atem überein?
Meistens ja. Aber das Band hat auch etwas darüber verraten, wer es trägt. Und dieser Teil interessiert mich mehr.
Ich entwickle eine App, die den Blutalkohol schätzt, also behalte ich Wearables im Blick, die ihn direkt messen wollen. Das neueste für Endkunden ist das BACtrack Skyn. Es misst TAC (transdermale Alkoholkonzentration), also den Alkohol, der durch deine Haut diffundiert. Der Reiz liegt auf der Hand: kein Röhrchen zum Pusten, keine Getränke zum Eintragen, nur eine fortlaufende, objektive Aufzeichnung. Wie nah kommt das Ding also an den Atemalkohol heran?
Was sie gemacht haben
Das Team gewann 24 Erwachsene, im Schnitt 34,4 Jahre alt, 55 % Männer. Etwa ein Drittel (32 %) lebte mit HIV. Das hat einen Grund: Alkoholforschung bei Menschen mit HIV braucht Werkzeuge, die auch für sie funktionieren. Die Forschenden wollten also wissen, ob sich der Sensor in beiden Gruppen gleich verhält.
In 40 Laborsitzungen lief immer dasselbe Protokoll: drei Bier mit 4,5 %. Das Skyn blieb die ganze Zeit am Handgelenk, dazu kamen wiederholte Atemproben, gemessen als BrAC (Atemalkoholkonzentration).
Verglichen wurden die beiden Signale auf drei Arten:
- Peak gegen Peak: der höchste Wert am Handgelenk gegen den höchsten Atemwert
- Gesamtwert gegen Peak: die AUC (Fläche unter der Kurve), also der gesamte Alkohol, den das Band über die Sitzung registrierte, gegen den Atem-Peak
- die gesamte Zeitreihe, Punkt für Punkt
Dann kam die spannendere Frage. Welche persönlichen Merkmale verschieben den Wert am Handgelenk, wenn man den Atem-Peak schon herausrechnet? Geprüft wurden Alter, ethnische Zugehörigkeit, HIV-Status, BMI (Body-Mass-Index) und der AUDIT-Wert (ein Standardfragebogen zu Trinkgewohnheiten).
Was sie herausgefunden haben
Handgelenk und Atem verliefen gemeinsam. Wie eng, hing vom Vergleich ab.
- Die Peak-Werte korrelierten in der Gesamtgruppe nur mäßig: r = 0,36 bis 0,39.
- Punkt für Punkt über die Sitzung war die Übereinstimmung deutlich stärker: r = 0,64, ohne Unterschied nach HIV-Status.
- Beim Peak-zu-Peak-Vergleich sahen beide HIV-Gruppen ähnlich aus (um 0,5). Bei der Gesamtbelastung trennten sie sich: 0,57 bei Menschen ohne HIV, 0,33 bei Menschen mit HIV. Der schwächere Zusammenhang war allerdings statistisch nicht signifikant.
Für die mäßigen Peak-Werte gibt es eine nüchterne Erklärung, und die Autoren nennen sie selbst. Alle tranken exakt dieselbe Menge. Die Atem-Peaks lagen deshalb dicht beieinander. Wenn die Referenz kaum schwankt, kann selbst ein ordentliches Messgerät keine starke Korrelation zeigen. Eine ganze Sitzung hat viel mehr Spielraum: Anstieg, Peak, Abklingen. Das ist meine Vermutung, warum sie besser abschneidet.
Jetzt der Teil, auf den ich immer wieder zurückkomme. Selbst bei gleichem Atem-Peak verschoben mehrere Merkmale, was das Handgelenk anzeigte:
- Alter. Ältere Teilnehmende hatten leicht höhere Peak-Werte am Handgelenk.
- HIV. Menschen mit HIV hatten höhere Peak-Werte und eine größere Gesamtfläche. Bei der Gesamtfläche war das der stärkste Effekt der ganzen Studie.
- AUDIT. Höhere Werte im Fragebogen, höhere Peak- und Gesamtwerte am Handgelenk.
- Ethnische Zugehörigkeit. Wer nicht zur Gruppe „nicht-hispanisch weiß“ gehörte, hatte niedrigere Peak-Werte.
- BMI. Bei höherem BMI fiel die Gesamtfläche etwas kleiner aus.
Warum eines dieser Merkmale das Hautsignal verändert, erklärt die Studie nicht. Ich erfinde da auch keinen Mechanismus. Bei 24 Personen könnten einige Effekte in einer größeren Stichprobe ja durchaus schrumpfen, das sagen die Autoren selbst.
Was das bedeutet
Erstens: Die Kurve schlägt den Peak. In dieser Studie bildete der Verlauf der gesamten Sitzung den Atemalkohol viel besser ab als jeder einzelne Höchstwert. Wer so ein Gerät trägt, sollte eher der Linie über den Abend trauen als der höchsten Zahl darauf.
Zweitens: gleiche Getränke, unterschiedliche Werte. Alle hatten drei identische Biere, und trotzdem las das Band sie je nach Alter, Gesundheitsstatus und Trinkgeschichte anders ab. Streng genommen ist das ein Befund über den Sensor. Er passt aber zu etwas, worüber ich schon geschrieben habe: Alkohol-Peaks können zwischen Menschen um mehr als das 2,5-Fache variieren, und sie kommen zu unterschiedlichen Zeiten.
Und objektive Daten rücken näher. Langsam. Selbstberichtetes Trinken ist unzuverlässig, deshalb suchen Forschende weiter nach Wegen, sich nicht mehr auf das Gedächtnis zu verlassen. Ein Armband wäre einer davon. Nur ist eine Laborsitzung mit fester Dosis eben weit weg von einem Freitagabend. Die Autoren wünschen sich größere, vielfältigere Stichproben, bevor sich jemand ernsthaft auf diese Zahlen stützt.
Deshalb sehe ich den Blutalkohol auch nicht als eine Zahl, die für alle passt. Zwei Menschen mit denselben drei Bieren stehen nicht am selben Punkt. AlcoBalance stimmt seine Schätzung auf dich ab, nicht auf Durchschnitte. So siehst du an einem bestimmten Abend, wo du im Verhältnis zu deinem eigenen Peak stehst, und entscheidest über das nächste Getränk, solange du den Abend noch steuerst.
Und das Skyn? Über eine ganze Sitzung folgt es dem Atemalkohol ziemlich gut, am Peak weniger. Und wer es trägt, verändert die Anzeige.
Quelle: Alcohol, Clinical and Experimental Research, DOI


