Ich dachte, NoLo sei noch Nische - Spezialläden, ambitionierte Cocktailkarten, Wellness-Publikum am Wochenende. Eine neue Umfrage sagt etwas anderes: fast Mainstream. Die reine Zahl ist dabei weniger interessant als die Frage dahinter. Wer greift zu diesen Drinks, und was erhofft man sich davon?

Was gemacht wurde

Über Prolific, ein Online-Forschungspanel, haben Forscher 1.464 US-Erwachsene ab 21 Jahren rekrutiert. 30 Minuten Fragebogen: Erfahrung mit alkoholfreien und alkoholarmen (NoLo) Getränken, also ob probiert und wenn ja, warum. Dazu aktuelle Trinkgewohnheiten, psychosoziale Faktoren, Demografie. Am Ende eine multivariable logistische Regression: Welche Faktoren sagen voraus, ob jemand schon mal ein NoLo-Produkt probiert hat?

Eine Einschränkung, die zählt. Das ist eine Querschnittsstudie, also eine Momentaufnahme. Sie zeigt, wer NoLo-Drinks probiert hat und warum. Ob diese Getränke den Konsum von irgendjemandem über die Zeit verändert haben, kann sie nicht sagen. Und Prolific zieht eher digital affine Leute an, in einer vollständig repräsentativen Stichprobe dürfte der Wert von 75% also etwas niedriger liegen.

Was gefunden wurde

75% der Teilnehmer hatten mindestens einen NoLo-Drink probiert.

Die am häufigsten genannten Motivationen:

  • Alkoholkonsum verringern: 45,5%
  • Ganz aufs Trinken verzichten: 37,4%
  • Negative Wirkungen von Alkohol vermeiden: 36,8%

Interessanter ist, wer sich hinter diesen 75% verbirgt. Menschen mit moderatem oder hohem Risiko beim Alkoholkonsum - erfasst mit dem AUDIT-10-Screening-Tool - hatten eine doppelt so hohe Wahrscheinlichkeit, schon mal ein NoLo-Produkt probiert zu haben (AOR = 2,0, 95%-KI 1,4-3,0). Wer früher schon einmal versucht hatte, mit dem Trinken aufzuhören: 2,7-fach höhere Wahrscheinlichkeit (AOR = 2,7, 95%-KI 1,9-3,7).

Was das bedeutet

Die übliche Annahme über NoLo-Drinks: gedacht für die, die einfach mal neugierig sind. Leute, die das soziale Ritual wollen und denen Alkohol so oder so ziemlich egal ist. Diese Studie deutet in die andere Richtung. Wer am aktivsten zu NoLo greift, trinkt mehr und hat sich mit seiner Beziehung zu Alkohol schon ernsthaft beschäftigt.

Wer wenig trinkt, kommt mit Sprudelwasser genauso hin. NoLo füllt eine andere Lücke: etwas, das aussieht und sich anfühlt wie Bier oder Wein, mit dem du aber mitten am Abend das Tempo rausnehmen kannst, ohne den sozialen Rhythmus zu brechen.

Am meisten hängen geblieben ist bei mir „negative Wirkungen von Alkohol vermeiden“ mit 36,8%, fast so hoch wie der komplette Verzicht (37,4%). Niemand greift zum alkoholfreien Bier, weil er heute Abend gerade keine Lust aufs Trinken hat. Man greift dazu, weil man weiß, was passiert, wenn man nicht bremst. Und weil man den Hebel jetzt will, in diesem Moment, nicht erst am nächsten Morgen.

Ob dieser Instinkt tatsächlich funktioniert, sagt die Studie nicht. Ob ein NoLo-Drink zum richtigen Zeitpunkt den nächsten Morgen wirklich besser macht: andere Studie, anderes Design. Belegt ist erst mal etwas anderes. Die Nachfrage kommt von Leuten mit einem echten Anwendungsfall, nicht von Trendfolgern.

An einem Abend, an dem das Tempo unbemerkt anzieht, ist so ein Wechsel-Drink genau dieser Hebel - etwas, das dich im Gespräch hält, während dein BAC (Blutalkoholkonzentration) sich einpendelt. AlcoBalance arbeitet nach derselben Logik: Du siehst, wo du auf der Kurve stehst und was passiert, wenn du noch einen trinkst. Entscheiden tust du selbst, solange du den Abend noch steuerst.

Quelle: Drug and Alcohol Review, DOI