Auf einer Weinflasche in Europa klebt eine durchgestrichene schwangere Frau. Vielleicht ein Auto. Vielleicht ein Symbol fürs Mindestalter. Ich hatte quer durch den Kontinent so viele Flaschen in der Hand, an Flughäfen, in Eckläden, dass mir das kaum noch auffällt. Was fast nie auf dem Etikett steht: irgendetwas darüber, was der Alkohol mit deiner Leber macht, mit deinem Schlaf, mit deinem Gedächtnis. Eine neue Ladenerhebung in 13 Ländern hat jetzt beziffert, wie dünn diese Information wirklich ist.

Was sie gemacht haben

Forscher besuchten 32 Geschäfte in 23 Städten in 13 europäischen Ländern und nahmen sich 1.636 Alkoholprodukte vor. Die Ausgangsidee: Gesundheitshinweise auf Etiketten sollen Verbraucher informieren - nur gab es kaum aktuelle Daten dazu, was auf diesen Etiketten überhaupt steht. Also zogen sie Flaschen aus den Regalen und notierten, was drauf war. Ob ein Gesundheitshinweis da war, welches Thema er behandelte, ob als Piktogramm, als Text oder beides. Eine Momentaufnahme, keine Trendstudie.

Was sie gefunden haben

69,7% der 1.636 Produkte trugen mindestens einen Gesundheitshinweis. Nach Thema aufgeschlüsselt:

  • Schwangerschaft: 68% der gekennzeichneten Produkte
  • Alkohol am Steuer: 21,4%
  • Altersbeschränkungen: 16,6%
  • Verantwortungsvoller Konsum: 6,9%
  • Gesundheitsschäden durch Alkohol: 0,3%

Etwa jedes vierte Produkt (26,7%) hatte Hinweise zu mehr als einem Thema. Nach Format: größtenteils nur Piktogramme (62,3%), bei 6,7% Piktogramm plus Text, 0,7% nur Text. Ein Piktogramm arbeitet mit groben Strichen - die durchgestrichene Schwangere versteht jeder sofort. Piktogramm plus Text kann viel mehr sagen: worin das Risiko besteht, für wen, wie gravierend. Das fand sich bei weniger als jedem fünfzehnten Produkt.

Die Abdeckung unterschied sich stark je nach Land. In Litauen, Frankreich und den Niederlanden trugen mehr als 90% der Produkte mindestens einen Hinweis. In Kroatien, Polen, Slowenien und Griechenland lagen sie überall unter 50%. Die Spannbreite ist groß genug, um etwas zu sagen, auch wenn die Stichprobe dünn ist. 32 Geschäfte in 13 Ländern sind eben nicht national repräsentativ, ich lese die Länderzahlen deshalb als Richtungsangabe. Das Muster folgt der Regulierung: Die Länder mit hoher Abdeckung haben Gesetze, die Hinweise vorschreiben, die anderen verlassen sich auf freiwillige Selbstverpflichtungen der Hersteller.

Was das bedeutet

Die 0,3% sind die Zahl, die bei mir hängen geblieben ist. Das Etikettensystem, so wie es heute läuft, spricht mit bestimmten Risikogruppen: schwangeren Frauen, Autofahrern, Minderjährigen. Diese Hinweise haben ihren Grund und decken reale Risiken ab. Aber der gewöhnliche erwachsene Trinker, der einfach nur verstehen will, was er da konsumiert, bekommt fast nichts, das für seine eigene Situation zählt.

Gegen ein Schwangerschafts-Piktogramm hat kein Hersteller einen ernsten Grund, sich zu wehren. Es richtet sich an eine kleine Gruppe und sagt dem Rest von uns nichts Unangenehmes über das Produkt. Ein Hinweis auf gestörten Schlaf, oder darauf, was regelmäßiges Trinken auf Dauer mit der Leber macht, ist eine ganz andere Ansage. Der sagt: Für jeden Erwachsenen, der das hier trinkt, ist es ein Gesundheitsrisiko. Wahrscheinlich taucht er deshalb kaum auf.

Die Länderaufschlüsselung zeigt, woran das strukturell hängt. Die drei mit der höchsten Abdeckung - Litauen, Frankreich, die Niederlande, alle über 90% - haben nationale Gesetze. Die vier niedrigsten - Kroatien, Polen, Slowenien, Griechenland, alle unter 50% - verlassen sich auf die Selbstregulierung der Branche. Der Unterschied zwischen Bitten und Vorschreiben steht damit direkt in den Zahlen.

Genau in dieser Lücke setzt AlcoBalance an: fast nichts darüber, was Alkohol gerade jetzt mit dem gewöhnlichen Trinker macht. Kein Etikett, sondern ein Live-Blick auf deine eigene Kurve - dein Tempo im Moment, dein Peak, wann er abklingt. Die Flasche redet mit einer schwangeren Frau. Die App redet mit dir.

Die Forscher fordern schärfere Vorgaben auf EU- oder nationaler Ebene. Der Ländervergleich liefert ihnen das Argument dafür.

Quelle: Drug and Alcohol Review, DOI